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Rosenrot

FSK 18


Leser








schrill beisst das telefon sich durch die ruhe der musik. "heute brauche ich dich", sagt er mit leiser aber klarer stimme, und selten stand mit so wenigen worten so viel im raum. "okay, gib mir eine halbe stunde", antworte ich, und suche in gedanken schon autoschlüssel und portmonee zusammen, während ich noch auflege.

die tür öffnet er gewohnt wortlos, doch ich höre viel in seinem schweigen. diesmal bin ich diejenige, die keine fragen stellt. bestimmt nehme ich seine hand, schliesse mit der anderen die tür hinter mir ab und führe ihn direkt zu seinem bett. wie abwesend wirkt er, kriecht unter die decke. so lasse ich ihn kurz allein. in flur und wohnzimmer verteilt liegen achtlos abgestreift schuhe, hemd und aktentasche, die restlichen kleidungstücke finde ich vor und im badezimmer. der anrufbeantworter blinkt nervös. eher ungewohnte sichtbare anzeichen von chaos in der sonst so aufgeräumten wohnung. die küche hingegen sieht nicht aus, als hätte er heute schon etwas gegessen, aber im kühlschrank finde ich die obligatorische flasche rum, cola und limettensaft, mache uns schnell zwei gläser cuba libre, die sorte "grosszügige mischung".
im vorbeigehen greife ich noch die fernbedienung der musikanlage. meine schuhe und tasche lasse ich neben das bett fallen, er sieht nicht einmal auf. ich steige unter die kühle decke, reiche ihm sein glas. in grossen schlucken leert er es halb, stellt es dann zur seite. mit dem rücken ans kopfende gelehnt ziehe ich ihn an mich. an einen kleinen jungen erinnert er mich, verlorengegangen und verängstigt, wie er da an mich gedrängt mit dem kopf auf meinem schoss zu liegen kommt, schutzsuchend zusammengerollt wie ein embryo. ich spüre, dass er zittert. vorsichtig wische ich ihm sein langes haar aus dem gesicht, streichle beruhigend über kopf, schultern, rücken. er scheint noch immer weit fort. ich finde die richtige musik, stelle sie so laut es um die uhrzeit überhaupt noch tragbar ist und dann, nach minuten und einer gefühlten ewigkeit, erreiche ich ihn. ein kurzer satz nur, wenige worte sind es, in denen er mir den grund seiner verzweiflung hinwirft, bevor er zu weinen beginnt. "endlich", denke ich, instinktiv wissend, dass er diese tränen den ganzen tag mühsam unterdrückt haben muss.
irgendwann in einem später beruhigt er sich. vielleicht ist es auch nur die übermacht der trauer oder die wirkung des alkohol, doch sein atmen wird gleichmässiger und er schläft ein. eine cd und ein geleertes longdrinkglas weiter erlaube auch ich mir meine müdigkeit. vorsichtig löse ich mich von ihm und streife meine jeans ab, bevor ich die musik leiser drehe, die letzten lichter lösche und mich zu ihm lege.
es ist nur eine kurze nacht, doch sie hat etwas ruhiges, akzeptierendes. und so empfinde ich es weder als unangenehm noch als überraschung, als ich noch vor der dämmerung von seinen drängenden händen geweckt werde. sein blick ist eine stumme bitte aus noch immer leicht verstört wirkenden augen, und ich nicke nur. ungeduldig zieht er seine kleidung aus, zerrt mir das shirt über den kopf. fordernd senkt sein kopf sich an meinen hals, meine brüste, leckend und saugend, bh und slip schiebt er mir fort, fast schon grob. seine gier berührt mich auf mehr als eine art. schnell ist er über mir, mit einer harten bewegung tief in mir, ein lautes aufstöhnen begleitet ihn. und dann, ganz plötzlich, atmet die welt um uns einen anderen takt. so unbeherrscht er sich gerade noch in mich drängte, so langsam und sanft sind jetzt seine bewegungen, während seine stirn sich schwer an meine schulter legt. ruhig umfasse ich mit meinen beinen sein becken, ziehe ihn enger an mich, meine hände halten sein gesicht. gleichmässig sind seine stösse, zeitlos sein blick, minutenlang. nur sein atem wird schneller als er kommt, doch bleibt auch das ganz unaufgeregt. dicht an mich gepresst liegt er dann neben mir, das schweigen einer zweiten decke gleich über uns. beide schlafen wir noch mal ein.

irgendwann am späten morgen weckt er mich, einen becher kaffee in der hand. "es tut mir leid, aber ich muss los", sagt er, die stimme wieder sicher und gefasst. während ich meinen kaffee trinke, nimmt er die reisetasche aus dem schrank, verstaut kleidung und kulturbeutel, routinierte bewegungen. dann sucht er ein paar cds zusammen und fast muss ich lächeln, als ich wohlvertraute cover darunter sehe. ich lasse die leere tasse auf dem nachtisch stehen und gehe für eine schnelle dusche ins bad. als ich zurückkomme steht seine tasche schon fertig gepackt im flur, der schwarze anzug in einer schutzhülle sorgfältig darüber gelegt.
beinahe verlegen wirkt er, als er mich zum abschied umarmt, doch als er etwas sagen will, unterbreche ich ihn sofort. "wag es nicht, dich zu bedanken. ruf einfach an, wenn du zurück bist. oder vorher." er nickt, und zum ersten mal in all den jahren glaube ich zu wissen, wie er sich wohl sonst immer gefühlt haben mag.
26.7.08 14:06


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